Deutscher Diplom Dental Hygienikerinnen Verband e.V.

DDHV-Kongress 2017

Von Regine Bahr, RDH

Auch dieses Jahr wieder - am Samstag den 21. Januar - fand der Kongress des „Deutschen Diplom Dental Hygienikerinnen Verbands“ in den schönen Räumen der Würzburger Universität statt. Beate Gatermann begrüßte uns mit einem Überblick zu Instrumentenneuerungen („der Kochlöffel“ der DH!), Standespolitik und neuem Termin für nächstes Jahr: 3.März 2018. Ihr herzlicher Dank an alle - wie gewohnt sehr großzügigen! - Aussteller, richtet sich an CP GABA GmbH, DEPPELER SA, EMS, Hu-Friedy, Institut für angewandte Immunologie, Kreussler & Co., Profimed, TePe, Procter & Gamble, Young Innovations Europe GmbH.

Milena Isailov-Schöchlin, M.Sc., begann das Lehrprogramm mit einer Übersicht zum „Internet Learning“, der elektronischen bzw. digitalen Präsentation und Distribution von Lerninhalten – in den letzten Jahrzehnten eingeführt von Michael Kerres, der sich wohl ein Beispiel an der Geschichte nahm: So gab es bereits 1588 ein Leserad von Agostino Ramelli, sowie ab 1956 maschinell verzweigte Lernprogramme durch Norman Crowler, bevor sich 1990 das Internet mit diversen Lern- und Lehrvarianten entwickelte.

Als Entwicklerin multimedialer, webbasierter Module und unter anderem technische Koordinatorin des Studiengangs „MasterOnline Parodontologie- und Implantat-Therapie“ der Uni Freiburg, erläuterte sie mögliche Varianten und Effekte des Lernens der Zukunft (73% der Hochschulen sind bereits digitalisiert!). Vor allem zu Beginn steigert sich durch den Neuigkeitseffekt stark die Motivation. Durch das mögliche Überspringen von Bekanntem kommt es zu einer Lernzeitverkürzung. Ein passendes mediendidaktisches Konzept - individuell aus den Faktoren Bildungsanliegen, Zielgruppe und Lehrinhalten zusammengesetzt - sichert weitere Vorteile wie Kostenminderung, Lernflexibilität (orts-/zeitunabhängig) und Lernintensivierung (viele Darstellungsmöglichkeiten wie Film etc.)

<< Tipp von Carmen Lanoway, RDH BS: Das englischsprachige „Friends of Hu-Friedy“, bei dem man Fortbildungspunkte sammeln und zusätzlich gegen Instrumente eintauschen kann. Danke, Carmen! >>

Prof. Dr. med. dent. Ulrich Schlagenhauf (hochdotierter Leiter der Parodontologie-Abteilung der Uni Würzburg und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie) erläuterte die aktuelle Evidenz zur krankheitspräventiven Wirkung des „Professional mechanical plaque removal“ (PMPR). Dieser von Ian Needleman geprägte Begriff umfasst sowohl die supra- als auch die subgingivale Reinigung aller Beläge.

Prof. Schlagenhauf nahm zuerst Stellung zur „Skandalstudie“ von Hugoson et al. 2007, welche der IGeL-Monitor als einzige, scheinbar alleingültige aus vielen anderslautenden Studien herausgezogen hatte. In dieser von Confoundern strotzenden „Studie“ wird die PZR als häufigste in Anspruch genommene IgeL-Leistung für sinnlos erklärt. Untersucht wurden der Plaque- und Gingiva-Index nach Mundhygiene-Training allein und kombiniert mit PZR in der „repräsentablen“ Altersspanne von 20-27 Jahren. Das MH-Training verbesserte die Indizes, die zusätzliche PZR erbrachte keine weitere Besserung. Keine Gruppe wurde nur mit einer PZR untersucht, was alleine schon von wenig Objektivität zeugt. Des Weiteren definiert wohl niemand eine supragingivale Reinigung als Politur - also Entfernung von ausschließlich weichen Belägen. Erst recht keine Dentalhygienikerin! Kaldahl et al fanden 1996 jedoch auch bei der supragingivalen Zahnsteinentfernung keine präventive Wirkung bei parodontal Gesunden – bei parodontal Erkrankten ist diese ein eindeutiger Behandlungsfehler, da eine Tasche sich danach marginal verschließt und ein sehr hohes Abszessrisiko resultiert. Das unterstrich auch die Cochrane Collaboration ein Jahr später und gab 2008 bekannt, dass die Evidenz dieser Untersuchung von zu ungenügender Qualität ist, um einen Nutzen bzw. Schaden zu beurteilen.

Bleibt die Frage: „Ein sauberer Zahn wird nicht krank“? Albandar et al (DER Axelsson Co-Autor!) stellten 1995 trotz sehr guter Mundhygiene einen deutlichen Knochenverlust um den Faktor 6 in nur 3 Jahren fest. Nach der professionellen Zahnsteinentfernung hat die häusliche Mundhygiene allein also keinen ausreichenden präventiven Einfluss (da der Patient nicht auf den Sulkusfundus kommt, um dort den Biofilm zu entfernen), sondern die regelmäßige Entfernung supra-und subgingaler Beläge durch effektive Mundhygiene und PMPR ist essentiell, wobei die Ernährung noch einen gravierenden Einfluss hat.

Ein weiterer äußerst brisanter Aspekt von Hajishengallis 2015: Bei gesunden Menschen ist das orale Mikrobiom von „good guys“ dominiert, welche das Wachstum von Pathogenkeimen hemmen. Eine überwiegende Fehlernährung vermindert jedoch die gesunde Flora. Zudem fördern Rauchen und systemische Entzündungen das Sulkusfluid als Substrat für Pathogenkeime, welche Complement-Enzyme freisetzen. Letztere werden auch durch Stress und Genetik gesteigert und führen durch Überwucherung der Parodontalpathogene zur Dysbiose. Ein hiermit chronischer Zytokinsturm induziert den parodontalen Abbau.

Probiotika hemmen die mikrobielle Sukzession (Wachstums-Reihenfolge nach Kohlenbrander: Kokken, Stäbchen, Filamente, Spirochäten) und die überwuchernden Pathogenkeime – selbst bei sehr schlechter Mundhygiene! Die ersten 3 Studien zeigen beeindruckende Ergebnisse. Hussein verabreichte 2016 bei starken Mukositiden 4 Wochen lang 2x täglich L.reuterii OHNE eine Reinigung der Implantate, was den BoP um 50% reduzierte! Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, den Menschen als Ganzes zu betrachten - ein Zusammenhang der 1kg Darm-Bakterien mit der „nur“ 500gr schweren Mundflora ist offensichtlich. Ein Paradigmenwechsel zur Erkenntnis: Das Immunsystem ist ausschlaggebend!

Auch interessant: Für effektive Mikroorganismen gibt es noch keine Studien - effektiv ist also unsicher. Dagegen ist L.reuterii auch als Heilungsbeschleuniger äußerst wirksam: Bei Mäusen erhöhte der Lactobazillus das Hormon Oxytocin und halbierte so die Wundheilungsdauer.

Aktuelle Röntgentechniken stellt Dr. med. dent., Dr. rer. medic., M.Sc. Technische Medizin Dennis Rottke vor. Er leitet ein digitales Diagnostikzentrum in Freiburg und Karlsruhe.

Es gibt 55.000 Zahnarztpraxen in Deutschland, diese fertigen 65.000.000 Röntgenbilder jährlich an – was etwa 40% der deutschen Röntgenaufnahmen entspricht. 10% dieser Praxen haben ein DVT-Gerät.

Sehr wichtig ist es, die physikalischen Grundlagen und Abbildungsmechanismen der Röntgentechnik in Kombination mit der menschlichen Anatomie zu verstehen, da diese Faktoren die Diagnostik sehr stark beeinflussen können. So wirken zu hohe mA-Werte stärker verschleiernd als zu hohe kV-Werte. Generell sind unsere menschlichen Bestandteile Wasser-, Sauer-, Kohlenstoff schwer zu differenzieren, da sie eine sehr geringe Dichte besitzen und sich chemisch stark ähneln.

Einige Kontrollhilfen für z.B. das OPG sind folgende: Liegen Kiefergelenksköpfe und Mandibula-Kieferwinkel auf einer Höhe? Ist die Waagerechte, Mittellinie, Eckzahnlinie, Rückenstreckung exakt? Selbstverständlich sollte gesichtsnaher Schmuck entfernt werden.

Eine Hilfestellung zur Beschreibung von röntgenologischen Verdachten (keine Diagnosen!) sind: Dichte, Lokalisation, Begrenzung, Binnenstruktur, Nachbarschaft. Eine hohe Dichte, scharf, rund, homogen spricht für eine benigne Veränderung. Eine geringe Dichte, unscharf, wolkig, destruktiv für eine maligne. Einige Bilder dienten der anschaulichen Einübung.

Dr. med. dent. Said Mansouri aus Aachen (Implantologe und Diplomate der „Oral Implantology/Implant Dentistry“) stellte das Biofeedject-Anästhesiekonzept vor. Er hat bereits einige dentale Geräte entwickelt und zahlreiche Publikationen und Vorträge verfasst.

60% der Notfälle in Zahnarztpraxen sind mit einern Anästhesie verbunden. Der Körper besitzt eine sensible Kette von Gefühl, Warnung, Schmerz bis Verletzung, die mit einer Anästhesie ausgeschaltet werden kann. Das Biofeedject-Prinzip beschränkt sich jedoch auf die Ausschaltung des Biofeedbacks, welches nur aus Gefühl und Warnung besteht. Ausschließlich die Nervrezeptoren an der direkten Behandlungsstelle werden anstatt des ganzen Nervenastes betäubt und blockieren so die Schmerzinformation. Sobald das OP-Gebiet verlassen werden sollte bzw. eine Annäherung an einen Nerv passiert, ist der Patient sofort in der Lage, vor einer Verletzung zu warnen.

Aufgrund der sofortigen Wirkung ist 80% der Anästhesiemenge einsparbar und eine unkontrollierte systemische Diffusion und Depotbildung wie bei einer Leitungsanästhesie ausgeschlossen, da das Anästhetikum direkt im Behandlungsgebiet verteilt wird, also auch bei Schwangerschaft, Kreislaufbeschwerden und Allergien etc. unproblematisch ist.

Ein ernstzunehmendes Problem stellt normalerweise die Druckkontrolle dar, da die Gewebe-Permeabilität sehr unterschiedlich ist (5 bar im Weichgewebe, bis zu 65 bar im Desmodont). Zu wenig Druck ergibt zu wenig Diffusion, zu viel Druck kann Stau und Trauma bis hin zur Nekrose verursachen. Die Biofeedject-Spritze reguliert automatisch die Druckanpassung an das Gewebe und entleert in ca. 35 Sekunden, wobei eine Weichgewebsinjektion zwischen 1 und 3 Sekunden dauert, eine desmodontale bzw. intraligamentäre Injektion 6 bis 10 Sekunden. Die einzige Übung bei dieser Technik wird für das Treffen des parodontalen Ligaments benötigt, da dessen Spaltbreite sehr variabel ist. Videos und weiterführende Infos unter biofeedject.de.

Abschließend informierte uns Dr. med. Klaus Hartmann über „HPV, Hepatitis-Impfungen und mehr Sinn und Unsinn“. Dr. Hartmann hat als Humanmediziner und ehemaliger wissenschaftlicher Angestellter des Paul-Ehrlich-Instituts langjährige und umfassende Erfahrungen mit der Sicherheit von Impfstoffen sammeln können. Er ist Experte für Arzneimittelsicherheit und nach mehreren Advisortätigkeiten und Leitung seiner eigenen Praxis in Wiesbaden nun hauptsächlich Gutachter in Impfschadensverfahren. Sein Vortrag knüpfte an den letztjährigen an und war leider nicht weniger beunruhigend, da es schwerwiegende Krankheiten gibt, die in Verbindung mit Impfungen gebracht werden, so z.B. psychotische Zustände, cerebrale Ataxie, neurologische Probleme aller Art, etc.

Es besteht eine Meldepflicht dieser unerwünschten Nebenwirkungen, welcher auch Privatpersonen nachkommen dürfen und sollen! Ärzte und Angestellte im Gesundheitswesen nehmen bei etwaigen Nebenwirkungen oft Abstand zu Äußerungen bzw. Meldungen.

Im Fall eines Impfschadens ist Beistand schwer zu finden. Rechtlich gesehen steht einem Impfgeschädigten im Falle eines nachweisbaren Schadens eine Entschädigung vom Staat zu, da die Impfung vom Staat selbst nahegelegt wird.

Um unnötige Impfungen zu vermeiden ist es wichtig, sich selber umfassend zu informieren um beispielsweise zu wissen, dass keine Auffrischung einer Hepatitis-Impfung nötig ist, solange der Titer über 100 IU/l liegt.

Sinnvoll sind Lebendimpfungen wie Masern, Mumps und Röteln, da sie keine Adjuvantien enthalten. Diese unspezifischen Wirkverstärker bringen das Immunsystem so stark in Unruhe, dass überschießende und vor allem atypische Immunreaktionen verursacht werden können, denen der Körper nicht gewachsen ist. Zur weiteren Lektüre ist sein Buch „Impfen, bis der Arzt kommt“ zu empfehlen.

Auch dieses Jahr war es durch die Referenten aus vielen verschiedenen Branchen wieder ein abwechslungsreiches und fachübergreifendes Programm. Bis zum 3.März 2018!

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